Georg Philipp Telemann

„Machet die Tore weit“

Kantate zum Advent für Soli, Chor und Orchester

Die Adventskantate „Machet die Tore weit“ entstand 1734 und basiert auf dem Text von Psalm 24, Verse 7 bis 10. Sie ist seit langem eines der meistaufgeführten Telemannschen Kirchenmusikwerke. Unter den Handschriften, die die Kantate überliefern, befindet sich ein bedeutsames Wort der Wertschätzung von J. S. Bach. Mit G. F. Händel verband Telemann eine lebenslange Freundschaft.

Mit über 3.600 verzeichneten Werken ist Georg Philipp Telemann (1681-1767) einer der produktivsten Komponisten der Musikgeschichte. Telemanns Erbe umfasste alle zu seiner Zeit verbreiteten Gattungen. Seine etwa 1.750 Kirchenkantaten machen einen großen Teil seines Schaffens aus.

Der große Umfang ist teils auf die Telemannsche Arbeitsweise, teils auf eine mit 75 Lebensjahren sehr lange Schaffensphase zurückzuführen. Er komponierte um 1693 bereits mit 12 Jahren seine erste Oper „Sigismundis“; sein letztes Werk war die „Markus Passion“ im Jahr 1767.

Über seine Arbeitsweise wird berichtet, dass ihm zu seiner Eisenacher Zeit vor der Ankunft eines hohen Besuches nur etwa drei Stunden Zeit gegeben war, eine Kantate anzufertigen. Der Hofpoet verfasste den Text, Telemann schrieb dazu gleichzeitig die Partitur, wobei er meist noch vor dem Dichter mit der Zeile fertig war. Nach etwas über eine Stunde war das ganze Stück komponiert.

Telemann genoss zu seinen Lebzeiten großes Ansehen. Schon in Frankfurt ab 1712 war er weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. In Hamburg ab 1721 erreichte sein Ruhm den Höhepunkt in den Jahren 1737/38. Beigetragen zu seiner beispiellosen Karriere hat die Tatsache, dass er einerseits neue, beliebte musikalische Entwicklungen vorantrieb und andererseits einen ausgeprägten, ja fast unverfrorenen, Geschäftssinn besaß.

Die zu seinen Lebzeiten vorherrschende Wertschätzung überdauerte seinen Tod nicht lange. Schon wenige Jahre danach häufte sich die Kritik an seinem Werk. Der Grund für diesen Wechsel lag im Übergang vom Barock zu der Zeit des Sturm und Drang und der beginnenden Wiener Klassik mit dem damit einhergehenden modischen Wandel: Die Aufgabe der Musik lag nicht mehr im „Erzählen“, sondern im Ausdruck subjektiver Empfindungen. Etwa ab 1830 gerieten die Werke Telemanns - bis auf wenige Aufführungen - fast ganz in Vergessenheit.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert erreicht das Ansehen Telemanns in musikhistorischen Kreisen einen absoluten Tiefpunkt. Es entwickelte sich zudem eine zunehmende und systematische Diffamierung. Seine Werke galten als „zu flach und oberflächlich, ohne Kraft und Saft, ohne Erfindung“. Er geriet auch in den Schatten „der Originalität und quellenden Frische“ der Bachschen Musik.

Seine Rehabilitation begann im 20. Jahrhundert mit einer gründlicheren wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Telemanns Werken. Besonders nach dem 2. Weltkrieg beschäftigte man sich mit einer unvoreingenommenen methodischen Forschung von Telemanns Gesamtwerk. Die Gründung und das Wirken zahlreicher Telemann-Gesellschaften, -Arbeitskreise und -Vereine, die Aufnahme und Veröffentlichung von Tonträgern sowie diverse Rundfunkübertragungen führten zu einer neuen Beachtung und damit Aufwertung von Telemanns Schaffen. Heute steht er dank auch vieler Neuausgaben als der interessante Meister jener mächtigen Generation in der Reihenfolge gleich hinter Bach und Händel.

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